top of page

Unzufrieden im Job und nun? Wenn dein Job dich nervt, liegt es vielleicht nicht nur am Job

vor 2 Tagen
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 5 Stunden


Nachdenkliche Frau mit verschränkten Armen vor einer hellen Steinwand – unzufrieden im Job und unsicher, wie es weitergeht

Sonntagabend, kurz nach neun, und in deinem Bauch zieht sich etwas zusammen. Du bist unzufrieden im Job, vielleicht schon länger, und fragst dich wieder: Wie soll es weitergehen? Vielleicht magst du sogar, was du machst. Aber deine Chefin will immer mehr, und ein Danke hörst du selten. Die Wertschätzung für die Arbeit, die du leistest, bleibt aus. Deshalb hast du die Kündigung in deinem Kopf schon ein paar Mal geschrieben. Abgeschickt hast du sie nie, denn was wäre dann? Also machst du weiter. Entweder strengst du dich noch mehr an, oder du ziehst dich innerlich zurück und machst nur noch das Nötigste im permanenten Widerstand. Beides kostet Kraft. Und beides beantwortet eine Frage nicht: Worum geht es hier eigentlich?


Unzufrieden im Job: Liegt es außen oder innen?


Kein Job macht immer nur zufrieden. Eine zähe Woche, ein Projekt, das nervt, ein schwieriges Gespräch: Das gehört dazu. Etwas anderes ist es, wenn du dich über Monate unglücklich im Job fühlst und der Satz „Ich will das nicht mehr“ dich ständig begleitet. Dann ist die Unzufriedenheit kein Frust mehr, sondern ein Signal. Sie sagt dir, dass etwas Wichtiges zu kurz kommt.


Damit bist du nicht allein. Im Gallup Engagement Index 2025 geben 13 Prozent der Befragten in Deutschland an, keine emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber zu haben, das heißt: Sie haben innerlich gekündigt. Weitere 77 Prozent sind nur gering gebunden und machen, was nötig ist, aber nicht mehr. Den größten Hebel sieht Gallup bei der Führung. Wenn hier die Bedingungen schwierig sind, ist das ein echtes Problem, das jeder/jede Einzelne nur bedingt steuern kann.


Und trotzdem hat Unzufriedenheit im Job fast immer zwei Seiten: die Bedingungen außen und das, was in dir passiert. Zwei Beispiele aus meiner Arbeit mit Klient*innen:


Eine Klientin wollte unbedingt weg von ihrem Arbeitgeber. Die Arbeit langweilte sie, es gab keine Entwicklung, und jeder Versuch, mehr aus der Stelle zu machen, lief ins Leere. Sie hatte zahlreiche Gespräche geführt, Vorschläge adressiert und auf Veränderung gewartet. Nichts tat sich. Bei ihr lag die Herausforderung im Außen, und mit den Mitteln, die sie zur Mitgestaltung der Veränderung in den Händen hatte, stieß sie an ihre Grenzen. Für sie war die Kündigung der richtige Schritt.


Ein Klient kam mit demselben Wunsch: ein neuer Job, möglichst bald. Als wir genauer hinschauten, war es nicht die Arbeit selbst, die ihn nervte. Vielmehr war es ein Gefühl: bevormundet zu werden, nicht ernst genommen zu werden. Er arbeitete mehr, als er wollte, und ging abends im Kopf durch, was tagsüber „falsch gelaufen“ war. Mit der Zeit wurde sichtbar, dass er selbst kaum wusste, was er brauchte. Seine Grenzen wurden überschritten, von seinem Chef, von Kolleg*innen, und von ihm selbst. Ein neuer Job hätte daran wahrscheinlich wenig geändert. Also haben wir daran gearbeitet, die eigenen Bedürfnisse besser wahrzunehmen und die persönlichen Grenzen zu setzen. Denn wir nehmen uns selbst in jeden neuen Job mit. Und was in uns liegt, können wir vor allem bei uns selbst angehen.


Warum es so schwer ist, ehrlich hinzuschauen


Etwas außen zu ändern fühlt sich nach Handeln an. Nach innen zu schauen fühlt sich im ersten Moment nicht unbedingt nach Veränderung und häufig auch ziemlich unsicher an. Da tauchen Fragen auf, die wehtun können: Warum sage ich nichts? Warum bleibe ich so lange? Warum gehe ich immer wieder über meine Grenzen? Warum ist mir die Anerkennung im Außen so wichtig?


Dazu kommt der Körper. Wer über Wochen unter Druck steht, ist oft in einer Art Daueralarm. In diesem Zustand wird der Blick eng. Es scheint nur noch zwei Wege zu geben: kämpfen, also noch mehr leisten, oder sich zurückziehen, also innerlich kündigen. Für ein ruhiges „Was brauche ich eigentlich?“ bleibt dann häufig kaum Raum.


Und es gibt alte Muster, die auch im Alltag immer wieder eine Rolle spielen. Viele von uns haben früh gelernt, dass man dazugehört, wenn man funktioniert, sich anpasst oder für andere da ist. Wer so gelernt hat, bleibt auch dann, wenn es längst zu viel ist. Zum Beispiel, weil einem die Kolleg*innen leidtun. Das ist kein Zeichen von Schwäche. Das ist Loyalität. Nur sorgt sie gerade für alle anderen, nicht für dich.


Damit wir das aushalten, erzählt uns der Kopf beruhigende Geschichten. Vielleicht kennst du einige davon:

  • „Eigentlich läuft es gar nicht so schlecht.“

  • „Wenn erst mal das Projekt vorbei ist, dann …“

  • „Die anderen machen das auch so.“

  • „Das ist nun mal so.“

  • „Reiß dich zusammen.“


Nicht jeder dieser Sätze ist falsch. Aber es lohnt sich, sie zu bemerken und zu fragen: Stimmt diese Geschichte, die ich mir erzähle, wirklich?


Ich kenne das von mir selbst. Ich habe mich jahrelang von einem Urlaub zum nächsten gehangelt, in Jobs, die nicht zu mir und meinen Werten passten. Fast meine ganze Erholung fiel in den Urlaub. Ich dachte: Gestresst sein ist normal, das machen doch alle so. Turns out: Nur weil etwas vermeintlich normal ist, ist es noch lange nicht gut für mich.



Was dir helfen kann, wenn du unzufrieden im Job bist


Bevor du kündigst oder dich noch mehr anstrengst, kannst du in vier Schritten sortieren, was gerade los ist. Nimm dir dafür Zeit und etwas zum Schreiben.


1. Hinschauen: Was sagt dein Körper?


Stell dir vor, es ist morgen früh. Du kommst bei der Arbeit an, siehst deine Kolleg*innen, öffnest das Mailfach, hörst die Stimme deiner Chefin. Geh den Tag in Gedanken durch und spür dabei in deinen Körper. Wie fühlt er sich an? Wird es irgendwo eng? Drückt etwas im Magen, sitzt ein Kloß im Hals, werden die Schultern hoch? Oder wird es an manchen Stellen auch weit und leicht? Notiere, was du wahrnimmst, ohne es zu bewerten.


Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio beschreibt solche Körperempfindungen als „somatische Marker“. Sein Modell geht davon aus, dass sie unsere Entscheidungen mitprägen, oft bevor der Verstand ein Argument gefunden hat. Vielleicht fällt dir das Hineinspüren nicht von Anfang an leicht – das ist normal, weil viele Menschen es nicht mehr gewohnt sind, sich selbst so genau wahrzunehmen. Dann lass dir einfach etwas Zeit und versuche es immer mal wieder. Mit etwas Übung wird es leichter.


2. Annehmen: Unzufriedenheit ist keine Undankbarkeit


Vielleicht meldet sich jetzt eine Stimme: „Sei doch froh, dass du überhaupt einen Job hast.“ Du kannst dankbar für vieles sein und trotzdem merken, dass etwas nicht stimmt. Beides darf gleichzeitig da sein. Deine Unzufriedenheit muss nicht sofort gelöst werden. Sie darf erst einmal ernst genommen werden.


3. Ausrichten: drei Fragen, bevor du kündigst


  1. Was genau stört mich? Schreib es so konkret wie möglich auf. Nicht „alles“, sondern: „Mein Chef gibt mir freitags um 16 Uhr neue Aufgaben.“

  2. Welches Bedürfnis steht dahinter? Vielleicht Wertschätzung, Ruhe, Selbstbestimmung, Sinn oder Entwicklung.

  3. Was habe ich bisher getan, damit dieses Bedürfnis hier Platz bekommt? Sei ehrlich mit dir, auch wenn die Antwort „noch nichts“ ist.


Wenn deine ehrliche Antwort auf Frage 3 lautet: „Ich habe es versucht, und hier gibt es keinen Raum dafür“, dann ist das eine wichtige Information. Dann kann ein Wechsel genau richtig sein, wie bei der Klientin, von der ich oben erzählt habe. Wenn du dagegen merkst, dass du dich selbst noch gar nicht gefragt hast, was du brauchst, liegt dort vielleicht der erste Schritt.


4. Umsetzen: ein kleiner Schritt, im jetzigen Job


Such dir eine Sache aus, die du in der kommenden Woche anders machst. Nur eine. Zum Beispiel: die Mittagspause wirklich außerhalb des Büros verbringen. Oder einen Satz vorbereiten, den du sagst, wenn wieder eine Aufgabe zu viel kommt: „Bis Freitag schaffe ich das nicht. Ich kann es dir bis Mittwoch zusagen.“ Beobachte, was dann passiert, außen und in dir.


Dieser Schritt ist nicht dafür da, deinen Job zu retten. Er zeigt dir, wie viel Spielraum du hast und wie es sich anfühlt, für dich einzustehen. Denn um diesen Part kommst du nicht herum, wenn du auch für dich gut sorgen möchtest – egal, wo du arbeitest.


Wann Unterstützung sinnvoll ist:

Wenn zur Unzufriedenheit anhaltende Erschöpfung, Schlafprobleme oder Niedergeschlagenheit kommen, nimm das ernst. Anhaltende Erschöpfung kann auch körperliche Ursachen haben oder Ausdruck einer psychischen Belastung sein. Bitte lass das ärztlich abklären.


Und dann?


Wenn du merkst, dass du das nicht allein sortieren möchtest, können wir in einem kostenfreien Kennenlerngespräch schauen, was dir gerade helfen könnte und ob Coaching oder psychologische Begleitung das Richtige für dich ist.


Wenn du arbeitsuchend oder arbeitslos gemeldet bist, kann die Begleitung auch über einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) finanziert werden. Sprich mich im Kennenlerngespräch gern darauf an.



Quellen & Weiterlesen

  • Gallup: Engagement Index Deutschland 2025. Befragung von 1.700 Beschäftigten, November bis Dezember 2025.

  • Antonio R. Damasio: Descartes' Irrtum. Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn. Ullstein Taschenbuch, Berlin 2004.

 
 
bottom of page